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Die Q'eros: Nachfahren der Inkas

30.05.2014

Die entlegenen Dörfer von Q’eros liegen auf über 4.400m Höhe in der schneebedeckten Vilcanota-Gebirgskette, der höchsten im süd-östlichen Peru. Die Qero-Nation zählt heute etwa 2.000 Menschen, die sich auf 14 Dörfer verteilen.

1949 lernte der Anthropologe Dr. Oscar Núñez del Prado einige Qero Indianer während des Festivals von Paucartambo kennen und führte 6 Jahre später (1955) die erste Expedition zu ihnen. Nachdem dieses indigene Volk bis in die 60-er und 70-er Jahre des 20. Dr Oscar Nunez del Prado mit einem Qero Indianer aus Peru, Nachfahren der InkasJahrhunderts als Leibeigene von Großgrundbesitzern (hacendados) gelebt hatten, gelang es Dr. Núñez del Prado schließlich, sie aus diesem System zu befreien und ermöglichte es, dass sie von der Regierung einen Teil ihres Landes noch vor der offiziellen Landreform zurück erhielten.

Heute, zu Beginn des 21. Jahrhundert, stellen die Q’eros eine Gemeinschaft von lebendigen Zeitzeugen einer alten Kultur dar, die es uns ermöglichen, viele Einzelheiten aus der Vergangenheit Perus kennenzulernen. Dank der Arbeit von Wissenschaftlern wie Dr. Jorge Flores Ochoa, Juan Núñez del Prado oder auch Manuel Castillo Farfán ist heute sehr viel über diese último ayllu inka, die sogenannte „letzte Inka-Gemeinde“ bekannt. Der Kulturminister Perus bezeichnete die Q’eros einst als „nationales, lebendiges Kulturerbe“.

Die Q’eros besitzen ein einzigartiges Wissen, das von alten spirituellen Praktiken über ihre berühmte Webkunst bis hin zum landwirtschaftlichen Knowhow reicht. So, wie die Inkas ein Archipel-System nutzten, eine Vielzahl kleiner landwirtschaftlicher Inseln in unterschiedlichen Höhenlagen, um Nahrungsmittel in verschiedenen Klimazonen anzupflanzen und Essen im Überfluss zu produzieren, wenden die Q’eros 500 Jahre später diese Techniken noch immer an:

Über drei unterschiedliche Ökozonen hinweg kümmern sie sich um ihre Schafe, Llamas und Alpacas (bis auf 4.700m Höhe), bauen Gemüse wie Mais, Süßkartoffeln oder Paprika an (bis auf 3.650m Höhe) und schlagen Bambus oder Holz auf etwa 1.800m Höhe.

Sie sind harte Arbeiter, die immer und jederzeit vollständig in die Natur eingebettet sind: Mit Hilfe von Heil- und Opferzeremonien (despachos) sowohl für Mutter Erde (Pachamama), als auch für die Apus, die Spirits der Berge, sind sie mit diesen permenent in Kontakt und bitten darum, dass ihre Ernten gut werden, ihre Tiere gesund bleiben und es ihnen selbst auch gut geht.

Sie leben ein Leben in Ayni, dem einzigen Gebot ihrer Tradition, das so viel wie „Geben und Nehmen“ oder auch „Austausch mit dem Universum“ bedeutet. Es handelt sich dabei um eine Art kosmisches Gesetz, das sowohl Teil des täglichen Lebens, als auch Teil einer übernatürlichen Ordnung ist. Eine ausführliche Definition von Ayni lesen Sie hier.

Q'eros bei einem Despaco in TiponDie Q’eros sind bekannt als Bewahrer des alten Wissens und gleichzeitig die wohl am meisten respektierten Mystiker der südlichen und zentralen Anden. Sie sind indigene Priester, Heiler, Schamanen und einfache Bauern. Sie sind eines der wenigen Völker Südamerikas, die das Wissen um die spirituelle Tradition der Inkas in einer sehr reinen Form bewahrt haben.

Es gibt daher viele Bewegungen, auch innerhalb der Regierung Perus, die den sogenannten „Fortschritt der westlichen Welt“ gerne von den Q’eros fernhalten möchten, um sicherzustellen, dass sie ihre Tradition möglichst ungestört weiterleben können. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob es ethisch vertretbar ist, ihnen mit diesem Argument den Zugang zu Strom, fließendem Wasser, einer umfassenden Ausbildung oder modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie Mobilfunk oder Internet vorzuenthalten. Sind Menschen berechtigt, anderen Menschen zu verbieten, ihre Lebensqualität zu steigern oder auch wirtschaftlichen Wohlstand zu erreichen?

Es gibt Organisationen, die diesen Fortschritt und die Geschwindigkeit dieser Entwicklung seit vielen Jahren mit den Q’ero-Ältesten zusammen planen und erfolgreich umsetzen. Denn die Worte von Dr. Oscar Núñez del Prado sind heute genauso wahr und weise, wie vor 40 Jahren: „Die Arbeit zugunsten der Q’eros muss weitergehen und wir müssen dafür Sorge tragen, dass dieses wichtige Volk nicht seine kulturelle Identität verliert“.

 

Weitere Informationen zu den Q’eros enthalten folgende Artikel auf dieser Website:
Blogbeitrag: Über die Qero-Indianer, Nachfahren der Inkas aus Peru
Glossar -> Die Q’eros